AB 4_2.2          tierische Öle Fischöl Unterricht Ernährung   Omega-3-Fettsäuren                                                                     

Thema: Wale, Fische, Krebse und Algen – Öle aus dem Meer


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Alle Menschen kennen Beispiele für flüssige und feste Fette von Landpflanzen oder -tieren. Weniger bekannt ist, dass auch Organismen aus dem Meer zu unserer Versorgung mit Fetten beitragen.
Vier bedeutsame Beispiele für Fettlieferanten aus dem Meer werden im Folgenden näher erläutert.

Tran

Wale (Cetacea) sind Säugetiere, die ausschließlich im Wasser leben. Heute weiß man, dass es sich bei den Walen ursprünglich um Landsäugetiere handelte, die sich vom Land- zum Wasserleben hin entwickelten. Dieser Evolutionsprozess dauerte ca. 10 Millionen Jahre.

Wale wurden auch wegen ihres Fettes, dem Tran, getötet. Das Fettgewebe wurde gekocht und geschmolzen. Hauptquelle für den Tran waren Buckel- und Blauwale.
Walfett wurde u.a. als Energiequelle und Schmierstoff, sowie als Grundstoff für die Kerzen- und Seifenherstellung genutzt. Damit hatte dieses Fett einen bedeutsamen Anteil an der Industrialisierung.
Allerdings war der Tran nur einer von vielen Walrohstoffen, die für die Menschen in zurückliegenden Zeiten nutzbar waren (Abb. AB 4_2.2-1).

Walfett variiert in seiner Zusammensetzung je nach Walart, aber gesättigte Fettsäuren überwiegen. Als Lebensmittel ist Tran nur frisch genießbar. Mit der Erfindung der Hydrierung (siehe AB 2_2.2 Butter und Margarine – zwei ähnliche Partner?“) wurde Tran Anfang des 20. Jh. auch zur Margarineherstellung verwendet.
Mit dem Aufkommen von Petroleum, der Einführung von elektrischem Strom und der verstärkten Nutzung pflanzlicher Öle ging der Bedarf an Walfett zurück.
Gleichzeitig deutete sich Mitte des 20. Jh. eine starke Reduzierung der Walbestände an. Manche Arten, z.B. der Buckelwal, waren vom Aussterben bedroht. Das Töten von Walen für kommerzielle Zwecke wurde 1986 weltweit verboten. Einige Länder – Norwegen, Japan und Island – fangen und töten jedoch weiterhin Wale, sie begründen dieses mit wissenschaftlicher Forschung.

Lediglich die Inuit auf Grönland dürfen eine vorgegebene Anzahl bestimmter Wale zur Eigenversorgung jagen.

Die folgenden Links führen zu weiteren Informationen über Wale, u.a. zu „Blauwalgesängen“ im Atlantik.

Übrigens: Lebertran wird nicht aus Walfett, sondern aus der Leber von Kabeljau oder Schellfisch hergestellt. Er enthält u.a. Omega-3-Fettsäuren und die Vitamine A, D und E. Bis in die späten 50er Jahre des 20. Jh. bekamen Kinder Lebertran als Stärkungsmittel und zur Vermeidung von Rachitis (siehe AB 5_2.2Omega-3-Fettsäuren Nahrungsergänzungsmittel und Functional Food“).

Abb. AB 4_2.2-1 Walölnutzung

Abb. AB 4_2.2-1 Wale als Grundstofflieferanten in früheren Jahren

Abb. Ab 4_2.2-2 Buckelwal

Abb. Ab 4_2.2-2 Buckelwal

IconLink https://de.wikipedia.org/wiki/Wale (Zugriff: 2015-09-20)
https://www.greenpeace.de/themen/artenvielfalt/meeressauger/wale-bewundert-und-bedroht-teil-1 (Zugriff: 2015-09-20)
Blue_Whale_South_Pacific.ogg   (Zugriff: 2015-09-20)Apple-Benutzer müssen den entsprechenden Walgesang auf folgender Seite auswählen:
https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_whale_vocalizations (Zugriff: 2015-09-20)

Fischöl

Lachs, Hering, Makrele, Sardine und Thunfisch sind sehr fettreiche Fischarten, die zur Gewinnung von Fischöl genutzt werden. In der Regel werden nur die nicht für den Verzehr geeigneten Teile bzw. Abschnitte der Fische verwertet, um daraus Fischöl herauszupressen.

Abb. AB 4_2.2-3 Öl liefernde Fische

Abb. AB 4_2.2-3 Öl liefernde Fische: 1-Hering / 2-Thunfisch / 3-Lachs / 4-Makrele

Das gewonnene Fischöl enthält relativ viel Omega-3-Säuren (Linolensäure, Eicosapentaensäure EPA und Docosahexaensäure DHA).
Diese Inhaltsstoffe werden entweder als Nahrungsergänzungsmittel verkauft oder als Konzentrat an Lebensmittel-und Tierfutterhersteller weitergegeben, die sie dann als Zusatzstoffe verwenden.

tab-ab-4_2-2-1-fische

Tab.1  AB 4_2.2 Fettsäureanteile einiger Fische (Quelle: Der kleine Souci/Fachmann/Kraut. Lebensmitteltabelle für die Praxis, 2011)

IconLink https://de.wikipedia.org/wiki/Lachse (Zugriff: 2015-09-21)
https://de.wikipedia.org/wiki/Heringe (Zugriff: 2015-09-21)
https://de.wikipedia.org/wiki/Makrele (Zugriff: 2015-09-21)
https://de.wikipedia.org/wiki/Sardine (Zugriff: 2015-09-21)
https://de.wikipedia.org/wiki/Thunfische (Zugriff: 2015-09-21)
https://de.wikipedia.org/wiki/Hecht (Zugriff: 2015-09-21)

Krill

Der antarktische Krill (Euphausia superba) gehört zu den garnelenförmigen Krebstieren. Er wird zum tierischen Plankton gerechnet. Die ca. 6 cm langen Tiere leben in Schwärmen von bis zu 30.000 Individuen im Südpolarmeer. Die von ihnen produzierte Biomasse wird auf 350 bis 500 Millionen Tonnen jährlich geschätzt. Krill ist Nahrungsgrundlage für verschiedenste Fische, Seevögel, Robben und Wale.

Plankton (griech.: πλαγκτόν “Umherirrende”)
Organismen, die im Wasser leben und deren Schwimmrichtung mehr oder weniger von der Wasserströmung bestimmt wird.
Pflanzliches Plankton (= Phytoplankton) betreibt Fotosynthese, tierisches Plankton (= Zooplankton) ernährt sich von Phytoplankton.
verändert nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Plankton (Zugriff: 2015-08-11)

Im Fanggebiet wird der Krill mit Netzen gefangen. Je nach Bedarf und auch nach Größe der Tiere werden sie noch an Bord weiterverarbeitet oder tiefgefroren. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 30% des gefangenen Krills zu Fischmehl oder Öl verarbeitet werden.
Es gibt unterschiedliche Verfahren, Krillöl zu gewinnen. Ein großer Teil des gewonnenen Krillöls kommt als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln auf den Markt, das vor allem als Quelle für Omega-3-Säuren angepriesen wird. (siehe AB 5_2.2Omega-3-Fettsäuren Nahrungsergänzungsmittel und Functional Food“)
Die entsprechenden Mengenangaben in Bezug auf Omega-3-Säuren pro Kapsel schwanken je nach Produkt sehr. Auch die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie verwertet die aus Krill gewonnenen Omega-3-Säuren.In Bezug auf die Ökologie des Polarmeeres wird davor gewarnt, mit einer zu intensiven Krillfischerei dieses Ökosystem dauerhaft zu schädigen. Die Fischereiwirtschaft sieht das nicht so und bezieht sich dabei auf selbst gesetzte Fangquoten.

Abb. AB 4_2.2-4 Krill-Kopf

Abb. AB 4_2.2-4 Krill-Kopf

IconLink https://de.wikipedia.org/wiki/Antarktischer_Krill (Zugriff: 2015-10-10)
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-03/unterschaetztes-tier-krill (Zugriff: 2015-10-10)
Icon_Film Der folgende Link führt zu einem Film über Krill. Es ist in Englisch – keine Angst davor, die Bilder sprechen für sich!
https://www.youtube.com/watch?v=Stfv3HZdERI (Zugriff: 2015-10-10

Algenöle

Algen (lat.: algae, „Seegras“)
Die Bezeichnung Algen ist ein Sammelbegriff für ein- oder vielzellige Lebewesen, die im Süß- oder Salzwasser leben, Fotosynthese betreiben und keine echten Wurzeln, Stängel und Blätter besitzen.

Algen gehören zu den am schnellsten wachsenden Pflanzen. Im Vergleich zu Raps oder Soja können Algen auf gleicher Fläche ein Vielfaches an Biomasse produzieren. Einzellige Algen sind nur einen Bruchteil eines Millimeters groß, während manche vielzelligen Meeresalgen wie Bäume erscheinen und mehrere Meter groß werden.

Abb. AB 4_2.2-5 Chlosterium

Abb. AB 4_2.2-5 Chlosterium

Abb. AB 4_2.2-6 Meeresalgenwald

Abb. AB 4_2.2-6 Meeresalgenwald

Die Nutzung von Algen erfolgte zunächst mit dem Ziel, Biokraftstoff zu erzeugen. Das Nachdenken darüber, wie bestimmte Fettsäuren, vor allem Omega-3-Fettsäure, in den Fisch und den Krill gelangen, führte schließlich dazu, sich mit Algen auch als Omega-Fettsäuren-Quelle zu befassen.
Zur Zucht der Algen werden sogenannte Bioreaktoren (siehe Abb. AB 4_2.2-7) genutzt. Dort kann man die Zufuhr von Nährsalzen sowie die Lichtstärke und die Temperatur des Nährmediums genau steuern. Nach einer bestimmten Zeit der Vermehrung und des Wachstums werden die Algen geerntet und verarbeitet.
Zwei dieser Algen – Ulkenia und Schizochytrium – werden inzwischen weltweit für die Gewinnung der Omega-3-Fettsäure DHA (Docosahexaensäure) genutzt. Diese wird als Lebensmittelzusatz, als Nahrungsergänzungsmittel und als Kosmetikzusatzstoff verwendet.

Abb. AB 4_2.2-7 Bioreaktor für Algen

Abb. AB 4_2.2-7 Bioreaktor für Algen

Abb. AB 4_2.2-8 Labyrinthula-Alge

Abb. AB 4_2.2-8 Labyrinthula-Alge (EM) *

*Leider sind von den oben genannten Algen keine Bilder unter „ Creative Commons“ zu erhalten. Die Alge „Labyrinthula“ gehört jedoch zur gleichen Gruppe (Familie) und sieht den genannten Algenarten sehr ähnlich.

Seit 2003 ist auch ein DHA-reiches Öl aus Algen zugelassen. Es fällt unter die Novel-Food-Verordnung. Da Öl aus diesen Algen bis dahin in Europa nicht als Lebensmittel verwendet wurde, d.h. es unterliegt einer besonderen Kontrolle.

IconLink Algen_Rohstoff der Zukunft  (Zugriff: 2015-10-02)
BVL – Novel Food  (Zugriff: 2015-10-02)
https://de.wikipedia.org/wiki/Alge – Algen_in_den_Weltmeeren (Zugriff: 2015-10-02)
IconAufgabe
  1. Begründe, warum die oben genannten Fische und auch Krill einen relativ hohen Gehalt an Omega-3-Säuren aufweisen.
  2. Begründe den Vorteil der Gewinnung von Omega-3-Säuren in einem Bioreaktor im Vergleich zur Fischverwertung. Hilfe: Informiere dich z.B. über den Thunfisch.
  3. Erstelle ein Nahrungsnetz zu Organismen, die im Südpolarmeer leben und erläutere daran die Folgen einer möglichen Krill-Überfischung.

Hinweis: Mehr über die Omega-Säuren erfährst du im Kap. 2.2Fette“ und dem Arbeitsmaterial AB 5_2.2Omega-3-Fettsäuren – Nahrungsergänzungsmittel und Functional Food

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