AB 5_2.1                                                              

Thema: Probleme mit Milch und Milchprodukten


zurück zur Übersicht: Arbeitsblätter (AB) Kapitel 2

Lactose ist ein Disaccharid, bei dem die beiden Monosaccharide Glucose und Galactose über die C-Atome 1 und 4 miteinander verbunden werden. Es ist farblos, weniger wasserlöslich als andere Zucker und kommt nur in Milch vor. Muttermilch hat mit 7% den höchsten Lactosegehalt. Warum sich dieser Stoff ausschließlich in Milch befindet, ist nicht endgültig geklärt. Es wird vermutet, dass Lactose einerseits eine notwendige Energiequelle darstellt und andererseits als Disaccharid kaum osmotisch wirksam wird, d.h. den Wasserhaushalt nicht beeinflusst.
Lactose wird auch in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, dort bindet sie u.a. Wasser und Farbstoffe. Man kann Lactose in Produkten wie Süßigkeiten, Konfekt, Brot oder Wurstprodukten finden. In der Pharmaindustrie wird Lactose oft als Füllstoff für Medikamente verwendet.

Da Lactose nicht über den Darm absorbiert werden kann, muss zunächst ein Enzym, die Lactase, das Disaccharid in seine beiden Bestandteil zerlegen. Diese Spaltung (=Hydrolyse) geschieht in einem bestimmten Teil des Dünndarms. Die dann vorliegenden Glucose- und Galactosemoleküle können in gelöster Form vom Darm absorbiert werden.
Bei vorliegendem Enzymmangel wird Lactose nicht oder nur in geringem Umfang gespalten, durchwandert unverdaut den Dünndarm und wird dann im Dickdarm von Bakterien verarbeitet. Dabei entstehen u.a. Kohlenstoffdioxid und Wasserstoff.
Menschen mit Lactoseintoleranz (LI) klagen nach dem Genuss von Milch oder Milchprodukten mehr oder weniger über Bauchschmerzen, Darmkrämpfe, Blähungen, aber auch über damit verbundene Müdigkeit und Kopfschmerzen.

Nahrungsmittelintoleranz (lat.: intolerans „unduldsam“)
Bei einer Nahrungsmittelintoleranz oder -unverträglichkeit hat der Körper die Fähigkeit verloren oder nie besessen, einen in Nahrungsmitteln enthaltenen Stoff – meistens ab einer bestimmten Menge – problemlos zu verarbeiten. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird in diesem Zusammenhang oft der Begriff „Lebensmittelallergie“ benutzt. Bei der Intoleranz handelt es sich allerdings nicht um eine Allergie (siehe AB 13_2.3Proteine als Allergieauslöser – ganz schön übel!), da das Immunsystem an den beobachtbaren Symptomen nicht beteiligt ist.

Beim Arzt wird nach Lactosegabe über einen Atemtest festgestellt, ob eine Lactoseintoleranz vorliegt. Der im Darm gegebenenfalls durch Lactose vermehrt produzierte Wasserstoff gelangt über die Darmwand in das Blut und dann über die Lunge in die Ausatemluft. Nach Einnahme von Lactose wird in Abhängigkeit von der Zeit die Wasserstoffkonzentration in der Ausatemluft bestimmt.

Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland ca. 10% der Bevölkerung lactoseintolerant sind.


Es gibt drei Formen der Lactoseintoleranz(LI) (Tab. AB 5_2.1-1), die sehr unterschiedliche Ursachen haben.

ab-5_2-1

Tab. AB 5_2.1-1 Formen der Lactoseintoleranz
verkürzt nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Laktoseintoleranz

Anmerkung: In der Literatur und im Internet findet man auch Einteilungen der  LI-Formen, die etwas von der Tabelle abweichen.

Im Rahmen der Therapie soll hier nur auf die primäre Lactoseintoleranz eingegangen werden. Da diese Fehlfunktion am häufigsten ist, hat sich die Lebensmittelindustrie darauf eingestellt und bietet für fast alle Nahrungsbereiche, die mehr oder weniger Lactose beinhalten, entsprechend lactosefreie Produkte an. Sie sind entsprechend gekennzeichnet.

Lactosefreie Lebensmittel sind teurer als herkömmliche gleiche Produkte. Die Hersteller begründen dieses mit höheren Kosten bei der Produktion. Die Lebensmittelbranche wirbt mit Lactosefreiheit. Seltsamerweise taucht diese Werbung auch bei Lebensmitteln auf, die natürlicherweise gar keine oder kaum Lactose enthalten. Betroffene sollten sich also auch aus diesem Grund genau über den Lactosegehalt von Nahrungsmitteln informieren – sonst zahlt man vielleicht drauf!
Es wäre für Betroffene viel einfacher, wenn der gegebenenfalls vorhandene Laktosegehalt auf der Verpackung angegeben werden müsste.

Die Verbreitung der Lactoseintoleranz ist weltweit sehr unterschiedlich (Abb. AB 5_2.1-1), ebenso wie das Auftreten im Verlaufe der Individualentwicklung. Bei Asiaten tritt sie häufig schon im 2.-3. Lebensjahr auf, bei Finnen oft erst in der Pubertät.

Übrigens!!!
Nicht zu verwechseln ist die LI mit der Milchallergie, bei der eine Allergie auf Milchproteine besteht und schon geringe Mengen eine schwere Reaktion auslösen können.

AB 5_2.1-1 Verteilung (grob) der Lactoseintoleranz in der Weltbevölkerung

AB 5_2.1-1 Verteilung (grob) der primären Lactoseintoleranz in der Weltbevölkerung

IconAufgabe
  1. Begründe, warum Säuglinge und Kleinkinder normalerweise keine Lactoseunverträglichkeit aufweisen.
  2. Für Biologen stellte sich die Frage, wie sich die unterschiedliche Verteilung der Lactoseintoleranz bei Erwachsenen in der Weltbevölkerung begründen lässt.
    In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Hypothesen von der Wissenschaft formuliert.
    Versuche mit Hilfe der Karte (Abb. AB 5_2.1-1) und folgenden Informationen die Aussagen dieser Hypothesen – zumindest im Ansatz – selbst zu entdecken:

    a- Vor 7.000 – 8.000 Jahren ging der Mensch dazu über Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Aus Untersuchungen weiß man, dass die Menschen  – mit Ausnahme der Säuglinge und Kleinkinder – bis zu diesem Zeitpunkt lactoseunverträglich waren.
    b- Genetische Anlagen sind veränderbar. Treten neue Gene auf, die einen Vorteil für das Überleben mit sich bringen, haben die „Träger“ dieser Gene mehr Nachkommen als „Nichtträger“.
    c- Milch enthält auch Vitamin-D. Vitamin-D spielt eine wichtige Rolle im Stoffwechsel. Es wird hauptsächlich in der Haut unter Einfluss von UV-Licht gebildet.
    d- Je nördlicher, desto weniger UV-Strahlung, desto weniger Vitamin-D-Produktion durch unseren Körper.

3. Fasse kurz in eigenen Worten zusammen:
Formen, Ursache, Symptome, Diagnostik,Therapie und Verbreitung von Lactoseintoleranz.

Es gibt viele Informationen zur Unverträglichkeit von Lactose in der medizinischen Literatur und im Internet. Im Internet sollte man jedoch genau hinschauen, ob es sich um Seiten handelt, die gut in formieren oder nur etwas verkaufen wollen.

 IconLink U.a. findet man weitere Informationen zur LI hier :
http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/krankheiten/lebensmittelunvertraeglichkeit/laktose_intoleranz.jsp
(Zugriff: 2014-16-12)
Evolution / Genetik der LI (Film englisch, etwas anspruchsvoll):
https://www.youtube.com/watch?v=MA9boI1qTuk&feature=youtu.be
(Zugriff: 2014-12-12)

Falls man sich von Lactoseintoleranz betroffen fühlt, sollte man seinen/seine Hausarzt/-ärztin oder einen/ eine Ernährungsberater/in ansprechen!
Nur dieses Arbeitsmaterial und das Internet als Informationsquelle reichen  nicht aus!

Lösungen Aufg. 1 u. 2:

zu 1.

Dieses ist von der Natur so „eingerichtet“, weil Säuglinge und Kleinkinder die Lactose in der Muttermilch als energiereiche Nahrungsquelle nutzen. Wenn dieses nicht so wäre, hätten – vor allem in früheren Zeiten – Kinder nicht überlebt. Nach dem Kleinkindalter ist der Mensch in Hinblick auf die Energieversorgung nicht mehr auf Milch- bzw. Milchprodukte angewiesen.
Insbesondere als der Mensch noch „Jäger und Sammler“ war, spielte Milch in späteren Jahren keine Rolle als Energiequelle.

zu 2.

1.Hypothese
Vor ca. 7.000 – 8.000 Jahren begannen die Menschen mit der Viehzucht und dem Ackerbau. Vermutlich waren zunächst nur wenige Menschen – nach der Säuglings- und Kleinkindzeit – fähig, Lactose abzubauen. Zugrunde lag eine Veränderung in den Genen, die die Enzymaktivität auslöste. Diejenigen, die Lactose auch nach dem Säuglings- und Kleinkindalter abbauen konnten, hatten eine bessere Überlebenschance, da sie die Milch aus der Viehzucht gut als wertvolle Energiequelle nutzen konnten. Das neue Merkmal verbreitete sich in der damaligen Menschenpopulation, weil es positiv war.

2.Hypothese
Dabei wird davon ausgegangen, dass die räumliche Verteilung auch mit der Intensität der Sonnenstrahlung zusammenhängt. In nördlichen Ländern ist die Strahlungsintensität geringer und damit auch die Produktion von Vitamin-D durch die Sonne deutlich niedriger als in südlicheren Regionen. Aufgrund der Aufnahme von Milch kann die Vitamin-D-Zufuhr verbessert werden.

In diesem Zusammenhang vielleicht auch wichtig:
Die Mehrzahl der erwachsenen Katzen und Hunde und alle Igel sind lactoseintolerant!!

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